
Dass Passivhäuser derzeit im Trend liegen, ist nichts Neues. Bemerkenswert ist allerdings, dass dieser Trend sogar vor der Antarktis nicht halt macht. Dort hat Belgien eine neue Forschungsstation errichtet, die in Sachen Umweltverträglichkeit noch einzigartig ist: Die "Prinzessin Elisabeth" ist komplett energieautark.
So müssen die zwölf Polarforscher bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von -55 Grad Celsius ohne eine separate Heizung auskommen. Was im ersten Moment unglaubwürdig klingt, wird mittels ausgereifter Technik tatsächlich möglich gemacht: 408 Solarzellen sorgen zusammen mit neun Sechs-Kilowatt-Windturbinen für Strom und Wärme, zusätzlich werden Energieverluste vermieden und Wärmegewinne bestmöglich genutzt. Das gesamte Gebäude ist auf Pfeilern frei über dem Grund aufgestellt und somit vor der Kälte des Permafrostbodens geschützt. Auf diese Weise kann in der 700m2-großen "Prinzessin Elisabeth" auf Dieselgeneratoren verzichtet werden, wenngleich für Notfälle ein Stromerzeuger vorhanden ist.
Nachhaltig und für andere Polarstationen vorbildlich ist in der 21-Millionen Euro teuren Anlage auch der Umgang mit Abwasser und Abfall. Erstgenanntes wird gereinigt und zusammen mit aus Schnee gewonnenem Trinkwasser wieder aufbereitet, wohingegen der Müll komplett recycelt wird. Er stellt in der Antarktis ein besonders großes Problem dar, denn selbst kompostierbarer Abfall benötigt im ewigen Eis jahrelang, bis er verrottet ist. Weitere Besonderheiten der auf 1400 Höhenmetern liegenden Station sind ihre aerodynamische Form, ihre 40cm dicke Schaumpolystyrol-Granit-Schicht zur Wärmedämmung und die Tatsache, dass sie zu 80 Prozent aus Holz besteht. Auf diese Weise ist sie resistent gegen Wind und Kälte.
Die "Prinzessin Elisabeth" soll der Forschung zur Meteorologie, Glaziologie, Mikrobiologie, Erdmagnetismus und zum Klimawandel dienen und das gleich bis zu 25 Jahre lang. Zum Vergleich: Die Lebensdauer anderer Stationen beträgt gerade einmal die Hälfte. Durch die wissenschaftliche Einrichtung erhoffen sich die Erbauer einen großen Schritt in eine umweltverträgliche Zukunft des Häuserbaus auf der restlichen Welt. Schließlich funktioniert das, was unter den Extrembedingungen der Antarktis klappt, auch auf allen anderen Kontinenten.
